Ein perfekter Tourneeauftakt mit Doppel-Premiere

Mega-Plakat an der Mega-Church

Mega-Plakat an der Mega-Church

Welch eine Kulisse: Die Kirche ist bis auf den letzten Platz besetzt, 8000 Menschen sind gekommen. Für die Deutsche Radio Philharmonie wird der Abend zu einer Premiere im doppelten Sinne: Noch nie hat das Orchester vor einem so zahlreichen Publikum gespielt, noch nie eine Aufführung dieser besonderen Art maßgeblich gestaltet. Erst Stunden vor dem Konzert wurde klar: Die Konzertbesucher kommen, um Beethovens Ode an die Freude mit dem German Radio Philharmonic Orchestra, zwei Hauptstadt-Chören, koreanischen Solisten und Chefdirigent Karel Mark Chichon als Gottesdienst im wahrsten Sinne des Wortes zu feiern. Anfang und Ende des Abends übernimmt Senior Pastor Reverend Sam Whan Kim. Als geistliches Oberhaupt der Gemeinde hält er eine kurze Andacht mit Gemeindegesang, erst dann folgt der eigentliche Konzertteil.

Freude! Freude! Freude!

Freude! Freude! Freude!

Karel Mark Chichon schafft ein Klangbild von ungeheurer Intensität und Macht. Nach drei kraftvollen sinfonischen Sätzen, wirkt die Aufforderung des Baritons am Anfang des Schlusssatzes „O Freunde, nicht diese Töne, sondern lasst uns angenehmere und freudenvollere anstimmen“ wie das Wort eines Predigers. Spätestens mit dem Einsatz des Chores „Freude schöner Götterfunken“ ist die Musik Konzert und Gottesdienst zugleich.

Der Beifall entlädt sich orkanartig und fordert zwei Zugaben heraus, die Chichon mit Bedacht und in Kenntnis des koreanischen Publikums ausgesucht hat. Händels „Halleluja“ und Koreas heimliche Nationalhymne „I miss Geumgang“ – ein alter Chorhymnus, der die leidvolle Teilung des Landes besingt und noch heute Koreanern ans Herz geht. „Meine Oma hätte jetzt furchtbar geweint“, vertraut mir meine junge koreanische Platznachbarin an. Überwältig von Glück, kullern bei ihr selbst erst einige Minuten später die Tränen: Als angehende, in Deutschland und Korea ausgebildete, Chordirigentin drückte sie Maestro Chichon ihre große Bewunderung aus. Spontan schreibt der ihr eine kleine persönliche Widmung in ihre Beethoven-Partitur, die sie während des Konzerts mitgelesen hat.

 

 

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